Wir schreiben das Jahr 2010. BP ist dem Fördern überdrüssig und verklappt die Horizon in der Tiefsee. Den restlichen braunen Plunder lässt man monatelang ins Meer strömen und als wäre das genug, machen sich die Nasenbohrerz auf den Weg nach Schwabach um dort noch mehr fossile Stoffe zu vernichten.
Es ist schon über 700 Monde her, dass ich das letzte Mal auf einem motorisierten Einspurfahrzeug saß. Umso mehr hab ich mich auf dieses Event gefreut! Supermoto für Jedermann, so nennt sich das Spektakel womit die Crew um Lothar Schauer, (das is der Freak der bei "Wetten das..?" im Wheely das Vorderrad gewechselt hat) durch die Karthallen der Republik tingelt.
Für 139piepen incl. Märchensteuer bekommt der geneigte Zynder die Möglichkeit sich den Rost aus den Gelenken zu schütteln oder einfach nur die grauen, kalten Wintertage zu überbrücken ohne manisch depressiv zu werden.
Mitbringen muss man ausser ein wenig Schutzkleidung und der Mutsprungkapsel (am besten ein Crosshelm, sofern vorhanden) nichts, denn Moped und Sprit sind im Preis inbegriffen. Besonders die Sturzklausel war für mich interessant, neige ich doch dazu mich gern mal irgenwo einzugraben. "Wer stürzt, zahlt 10€ in die Sturzkasse" steht da geschrieben. Naja, ich sollte sicherheitshalber nochmal nen Fuffi extra mitnehmen
Gefahren wird auf wassergekühlten 250er 4Takt Einzylindern mit ca 28PS. Völlig ausreichend für ne Kartbahn.
Anreise:
Ansreise war am Vortag (10.12.). Gegen 19:00Uhr schlug ich mit Gonzo bei Jochen in Lichtenfels auf. Dort war bereits der Grill mit totem Tier bestückt und all die anderen Gesichtsbaracken waren auch schon da. Schön war auch, Marek den Pyromanen mal wieder zusehen. Nach ein paar Fleischkeksen stieg ich mit Polli auf Glasrouladen und Glühwein um. "Mit schuss?", "Ja mit Schuss..."
Am 11.12. irgendwann in der Früh (den genauen Zeitpunkt weis ich nicht mehr): Wo bin ich? Was mach ich hier? Is mir schlecht! Total Recall! Jemand hat Nachts heimlich einen "Safe Erase" meiner Hirnrinde durchgeführt aber vergessen neue Informationen einzuspeisen, ich weis garnichts mehr. Wie bin ich ins Bett gekommen, und wann? Ach scheissegal, ich lebe noch, und Gonzo auch. Was nach einer 3/4 Flasche Stroh80 keine Selbstverständlichkeit ist. Hätte ich vorher gewusst dass die irren Franken so ein Teufelszeug als "Schuss" bezeichnen hätte ich freiwillig verzichtet. Naja..
Mit 45min Verspätung haben wir vier das BMW Coupè von Jochens Kumpel mit unserem Kram bestückt (in Anbetracht des Kofferraumvolumens ist das wie Tetris Level 9) und die Anfrahrt nach Schwabach angetreten. "Das holen wir auf der Bahn wieder raus" hat er gesagt. Dass er das wörtlich meint, war mir so nicht bewusst. Im Tiefflug brennt der Beemer mit den zwei Schnapsleichen auf der Rückbank und zwei vitalen Lästermäulern auf den Vordersitzen Richtung Nürnberg. Rechtzeitig kamen wir in Schwabach an, was ich so nicht vermutet hätte. Blöd war halt, dass uns die Bullen gestoppt hatten, 130 in der 60Zone auf der BAB. Diese scheiss Weglagerer
Den ersten wassergekühlten Einzylinder den ich dort aufsuchte, war der aufm Herrenklo. Noch blieb aber der Mageninhalt drin. Nach erster Instruktion durch Lothar Schauer und der Gruppeneinteilung gings dann raus auf die Bahn.
"Erst die Reifen warm fahren..!" tönt der Typ der Schauer-Crew. Mit meinem betäubten Geist hab ich das nur beiläufig wahr genommen. 28PS auf einem Topf, und dann auch noch 4Takt. Was soll da schon passieren? ...ein Highsider zum beispiel! In der Spitzkehre den Mischer aufgemacht, wollte mich der Gaul doch glatt wieder los werden. Huiuiui Tiffy, ganz schön glatt is das hier!
Nach 3 Runden Geplänkel pendelt sich das Gripniveau auf einem brauchbaren Level ein. Wie war das noch? Rechts drehen = schneller. Rechts ziehen = langsamer. So eingermaßen kommt Gefühl in die tauben Knochen. Das Streckenlayout sitzt und schnell fängt die Sache an zu funktionieren. Erste Überholmanöver stehen an, da ist der Turn auch schon zu Ende. Im fliegenden Wechsel übergebe ich an den Fahrer aus Gruppe2.
Der Suff vom Vortag fordert nun seinen Tribut, ich habe Brand! Massiv Brand! Ich parke mir eine halben Liter Apfelschorle ein. Nachgehend betrachtet nicht gerade die cleverste Idee an diesem Tag. Die Turns sind nur etwa 7,5min lang. Schnell war auch die Gruppe 3 fertig und wir waren wieder am Zug.
Da ich zu sehr mit mir selbst beschäftigt war, habe ich mir natürlich nicht gemerkt welche Startnummer ich im ersten Turn hatte. Und da sich jedes Moped etwas anders fährt, hatte ich prompt mit dem nächsten Karren (Startnummer 3) weniger Glück. Die Bremse musste man hier deutlich mehr ziehen als bei dem Gaul aus Turn 1. Das kam mir in meinem antriebsschwachen Zustand nicht gerade entgegen. Aber irgendwie ging auch Turn 2 zu Ende. Sichtlich geschwächt, zeigte sich auch mein Magen. Und so stand das erste von insgesamt 6 Gesprächen mit dem weissen Porzellangott an. Nachdem hier die Fronten geklärt und die Apfelschorle wie auch die Reste des Vortages draussen waren, gings vital gesehen nur noch bergab.
Ich habe dann nochmal die #3 gefahren und im nächsten Turn dann gewechselt. Aber auch das andere Moped lag mir nicht so, auch da ging mir die Bremse zu schwer. Insgesamt hab ich wohl 5 oder 6 verschiedene Startnummern probiert und bin schließlich bei Nummer #16 hängen geblieben. Auf dem Motorrad hab ich mich wirklich wohl gefühlt. Die vordere Bremse war bissig, die hintere schwach. Sehr gut! Ich hab sowieso kein Gefühl in den Hacken, der Fuss konnte nur digital bremsen (völlig nutzlos also). So hab ich den hinteren Anker fast ganz weg gelassen und nur an 2 Stellen benutzt.
Es ist aber unglaublich wie man die Schmierelli Diablo's nur mit dem Vorderrad in die Ecken bremsen kann. Da kannste bis zum Scheitel aufm Anker bleiben um dann gleich wieder das Kabel anzuziehen, geiler Scheiss!
Angesichts einiger Stürze nahm der eine Mecha/Streckenhitler von der Schauertruppe die Fahrer nochmal ins Gebet, drohte sogar mit Abbruch. Das sorgte kurzzeitig mal für ein paar Diskussionen in der Startaufstellung. Das war aber schnell geklärt, und so sollten wenn überhaupt dann nur die Verursacher selbst mal raus genommen werden und nicht die ganze Gruppe.
Kurz vor der Mittagspause hab ich versucht neue Nahrung aufzunehmen. Der Bahnbetreiber hat frische Semmel mit Käse, Salami und so Zeug gemacht. Auf den Käse fiel meine Wahl. 3Bissen gingen rein, und kamen nach dem nächsten Turn auch gleich wieder raus. Mittagspause, endlich! Hinsetzen und schlafen.
Die Ruhe tat gut, etwas Leben kehrte in den Körper zurück. Voller Zuversicht hab ich mir dann den Rest des Semmels implantiert und noch ein Glas Wasser hinterher geschüttet. Der erste Turn nach der Pause war genial. Ich fühlte mich richtig gut, pflüge gemeinsam mit dem Hässlon durch die gesamte Gruppe, viel zu schnell war der Turn zu ende. Ich war doch grad erst warm geworden.
Nach kurzer Pause von 15min, der Zustand des Verdauungstraktes ging stetig bergab, waren wieder wieder dran. Ich suchte meine Nummer 16, doch sie war nicht da. Irgendwer aus den anderen Gruppen hat die hintere Bremse heiss getreten, danke nochmal!
So musste ich wieder auf ein anderes Moped umsteigen. Dieser Karren hat gleich garnicht /schlecht gebremst und so bin ich nur eine Runde rum geschwuchtelt um abermals das Material zu Wechseln. Der nächste Gaul war an dem Tag noch garnicht gefahren, also Motor und Reifen eiskalt. Kaum hatte ich beides vorsichtig auf Temperatur gebracht war der Turn zu Ende. Gut so. Ich hatte nämlich noch ein Meeting mit dem Porzellangott. Nachdem der Semmel sich ebenfalls den Weg ins Freie bahnten, beschloss ich nichts mehr zu essen oder zu trinken.
Im nächsten Turn konnte ich den einen Mechaniker davon überzeugen dass die mittlerweile abgekühlte Hinterradbremse der #16 für mich ausreiche. "Ich mag keine so kräftige Bremse am Hinterrad" gab ich ihm zu verstehen. Er willigte ein.
Das Moped hat mir echt gefallen! Ich musste während der Fahrt den Adrenalinspiegel nur hoch genug halten, so konnte ich mich ganz gut aufs fahren konzentrieren ohne dass mir ständig die Kotze hoch kommt.
Die letzten Turns erfolgten dann im fliegenden Wechsel zwischen Strecke und Klo. Glücklicherweise kam nur noch Galle, so das ich nichts in den Helm gebröckelt habe. Allerdings sind diese Krämpfe auch echt schmerzhaft. Es ist definitiv nicht einfach den Doppel-D Verschluss mit Handschuhen zu öffnen, wenn es einem schon am Gaumenzäpfchen steht!
Gegen 14:00Uhr war der Spaß dann auch zu Ende. Für mich definitiv gut so. Nach einem Abschlussgespräch mit dem altbekannten Einzylinder auf der Herrentoilette gings erstmal zurück Richtung Nürnberg zum Hässlon in die Bude. Dort hab ich direkt ne stunde auf der Couch gepennt um meinem Magen ne Pause zu gönnen. Im Anschluss dann die Heimfahrt. Meine Arschbacken haben gebrannt, irgendwie war ich das rumgerutsche auf dem Sitzbrötchen wohl nicht mehr gewohnt.
Das ganze Ausmaß meines offensichtlichen Fitnessdefizits hat sich mir aber erst den darauffolgenden Tagen offeriert. 3 Tage Muskelkater in den Beinen, aber richtig!
Hier noch ein paar Impressionen:
Trotz all der Querelen hat die Veranstaltung mächtig Laune gemacht. Beim nächsten Mal komm ich dann nüchtern und schaue mir vorher die einzelnen Mopeds genauer an bzw teste im Stand schonmal die Bremse. An der Ungleichheit des Materials müsste man seitens des Veranstalters noch etwas nachbessern....
Greetz
bruno