ZX8-R Projekt Drucken
Geschrieben von: joshi   
ZX8R Projekt -Codname 803-

Das Projekt ZX8R beschreibt Joshis Rennsemmel fuer 2009. Detailierte Infos zum Fahrwerk, Bremsen, Motor und Elektrik werde ich hier niederschreiben. Der Gedanke die Motivation und Umsetzung, sowie die Offenheit stehen im Vordergrund.

Die Basis ist meine in 2008 gefahrene ZX7R Bj. 96. Das Bike ist mit einer GSXR 600 gabel ausgestattet die mittels Hülsen in einer orig. 56/52mm 7er Gabelbrucke steckt. Die Sache wird durch einen LSL Lenkungsdämpfer der quer hinter der Gabelbrücke liegt unterstützt. Der Hauptanker ist radial befestigt und packt mit Lucas CRQ Belägen auf die Lucas 310mm Stahlscheiben. Die Hydraulik wird von einer 16mm Radial-Bremspumpe von Nissin befeuert. Die Kraft wird über stahlummantelte Druckschläuche zu den 4-Kolben Tokico Zangen übertragen. Das Vorderrad besteht aus einer aus dem Hause PVM Stammenden Magnesiumfelge, die mit Continetal RaceAttack Medium in 120/70 bereift ist, bestückt ist. Ein Fender ist nicht verbaut.

Motor, Zündbox, Vergaser, Airbox und  Rahmen ist Serie. Die Auspuffanlge stammt aus einer GXR 1000 K3 und ist aus Titan. Die Ölwanne ist von der ZXR um den Titan-Krümmer fahren zu können. Der Endtopf ist von Bos und ebenfalls aus Titan. Benzinpumpe ist eine Underdruckpumpe von Mikuni. Der Motor ist Thermisch vom Vergaser durch eine Isolationsmatte getrennt. Der Tank besteht aus GFK. Heckrahmen ist bis auf die nötige Sitzhalterung abgesägt. Der Fahrersitz wird über Klettband gesichert. Die Tankhalterung wurde aus Aluminum nachgebaut und ausgetauscht.

Die Elektrik wurde komplett neu gemacht. Es kam eine dünne Telefonleitung für die Signalwege in den Kabelbaum. Damit wurden Öldrucklampe, Drehzahlmesser, Schaltblitz und die Motorimpulsgeber-Signale verkabelt. Die Zündanlage bekam Kabel mit 1mm² Querschnitt und ist über den Killschalter schaltbar. Die Zündspulen sind gegen Einfunkenspulen der GSXR ersetzt worden. Reiner Batteriebetrieb mit 11.1V Li-Polymer Akku 2.2Ah und 176g Gewicht. Fahrzeit zwei Turns je 20 min. Zwei Ersatzakkus vorhanden. Gestartet wird die Maschine über eine externe Batterie

Die Schwinge wurde gegen die 2Kg leichtere J Schwinge getauscht. Die Kette wurde auf 525 verkleinert und eine Übersetzung von 15 zu 43 Gewählt. Ritzelabdeckung, Seitenständer  und Lichtmaschine entfernt. Verkleidung ist GFK wobei nur die RAM-Air Kanaele aus CFK sind. Hinterrad ebenfalls PVM Magnesium mit Racetec K2 in 190/55 bereift.

Gesamtgewicht 176Kg mit 7L Super im Tank.

ZX8R Projekt -Motor-

Ein Rennmopped muss schnell sein...

Dazu braucht es einen gescheiten Motor. An sich ist der ZX7R Motor schon recht genial was Konzeption, Drehfreude und Leistung angeht. Mit Abspecken und Gewichtsreduktion konnte ich in 2008 zumindest mit den aktuellen 750er GSXR mithalten, für eine 1000er v2 hat die power ebenfalls gereicht.

Eigentlich reicht die power aus aber ich wäre nicht Joshi wenn ich den Motor nicht tunen würde. Das muss aus prinzip gemacht werden ;-). Der 7er Motor ist eine gute Basis zum tunen.  Ein kostengünstiges umbauen auf 791ccm ist durch einfaches ersetzen der 7er Kurbelwelle gegen eine aus der ZXR. Die ZXR Kurbelwelle hat 2.4mm mehr Hub. Durch den erhöhten hub muss entweder eine 1.2mm stärkere Kopf oder Fußdichtung verbaut werden. Dank Polli war das beschaffen einer unterleg Platte aus Aluminium kein Problem. Die Platte hat eine stärke von 1.5mm was durch weglassen der 0.2mm starken Fußdichtung kompensiert wurde.

pleul

Kurbelwelle ist feingewuchtet und die Pleul sind erleichtert, poliert und auf 0.01g angeglichen. Ruhiger Motorlauf und dadurch weniger Verluste durch Vibrationen.

Die Messung der Quetschkante ist extrem wichtig. Pleul, Kolbenbolzen und Kurbelwelle dehnen/biegen (plastische Verformung) durch die Last des Kolbens nicht unwesentlich. Hinzu kommt das Kippen des Kolbens im OT um sein Spiel und das Spiel der Lager/Ölfilm. Der Sicherheitsabstand zwischen Kolben und Zylinderkopf muss deshalb stimmen. Am besten lässt sich der Abstand mit einem Draht aus Lötzinn bestimmen. Der Kopf wird unter Einhaltung des Drehmoments und der Anzugsreihenfolge  mit einer alten Kopfdichtung verbaut. Nockenwellen bleiben für diese Messung draussen. Der Motor wird ein bis zweimal langsam durchgedreht. Kopf wieder abbauen und die gequetschten Lötzinndrähte mittels Micrometerschraube vermessen. Gemessen habe ich 0.73...0.75mm juhu. Laut Kithandbuch von 93 (Kurbelwelle aus diesem Baujahr, also auch Quetschmaß von diesem Modell) sollte der squish 0.7mm nicht unterschreiten. Super geil, denn es gilt je kleiner der squish um so höher die Verdichtung.

 

sqish

 

Jetzt fragt sich der Kenner warum die Kolben so eine graue Farbe haben. Nun ja ganz einfach... es handelt sich um eine Molybdändisulfid Beschichtung (MoS²). Damit wurden die Kolben auf Maß gebracht. Der Zylinder ist konisch gehohnt und jeder Kolben ist genau eingepasst. Kolbenringe sind neu.

Kolben / Zylinder
kolben_oben kreuzschliff

 

Durch die Unterlegplatte kommt der Zylinder 1.2mm hoch. Das verschiebt die Steuerzeiten der Nockenwellen, da der Zylinderkopf und damit die Nockenwellen ebenfalls 1.2mm höher stehen. Die Zeiten werden einige Grad in Richtung früh verschoben. Messungen mit Originalwellen ergaben tatsächlich fast brauchbare Steuerzeiten da die Verschiebung in die richtige Richtung gerichtet ist.

Wobei wir beim Thema wären. Steuerzeiten sind des Tuners größtes Geheimnis. Darum wird am meisten Gewese gemacht wenn es darum geht wer wie und welche Zeiten fährt. Diese Infos und "Geheimnisse" werden gehütet wie nix anders. Sehr unverständlich, soll uns aber nicht weiter stören, denn der liebe Joshi ist "open source" Verfechter und auch in der Community tätig ;-).

Steuerzeiten, was ist das eigentlich? Nun ja, eigentlich ganz einfach. Die Ventile beim 4-Takt Motor öffnen und schließen zu bestimmten Zeiten. Diese Zeiten sind vom Nockenprofil, Ventilspiel und Lage der Nockenwelle zur Kurbelwelle bestimmt. Das Nockenprofil hat dabei den größten Einfluss und ist am schwersten zu Verändern, weil nicht jeder eine Nockenwellenschleifmaschine daheim hat ;-). Das Ventilspiel hat einen geringeren Einfluss, dennoch merkt man dass der Motor mit dem maximalen Ventilspiel spürbar besser läuft. Die Lage der Nockenwelle in Bezug zur Kurbelwelle ist "eigentlich" fest vorgegeben. Warum "eigentlich"? Nun ja, eine Steuerkette oder ein Zahnriemen unterliegen Verschleiss. Die Kette längt sich im laufe der Zeit, Zahnräder und Gleitschienen laufen sich ein usw. Dazu kommt die Ungenauigkeit bei der Fertigung (Aufpressen der NW Räder). Das ist einer der Gründe warum Motoren unterschiedliche Leistung haben und unterschiedlich abgestimmt werden möchten, obwohl es exakt die selbe Baureihe ist.

Was wird denn jetzt genau eingestellt? Für gutes Tuning sind die Nockenwellen mit verstellbaren Zahnrädern ausgestattet. Dadurch können die oben beschriebenen  Toleranzen ausgeglichen werden. In diesem Fall auch die 1.2mm der Unterlegplatte. Zum Einstellen nimmt man das sog. "lift center" her. Das ist der Punkt an dem der Nocken das Ventil maximal geöffnet hat. Der Punkt liegt also mittig auf dem höchsten Punkt des betreffenden Nockens. Dieser Punkt is unabhängig vom Ventilspiel.

Die Einlasswelle habe ich auf 107° ATDC (After Top Dead Center, hinter oberem Totpunkt) eingestellt. Für den Auslass habe ich 104° BTDC (Before Top Dead Center) eingestellt.  Im Kithandbuch wird für der ZX7R Motor 103 ± 2° Einlass und 105 ± 2° Auslass angegeben. Problematisch ist die Einstellerei an sich, da die Kurbelwelle mit doppelter Geschwindigkeit im vergl. zur Nockenwelle läuft. Das bewirkt das eine Gradänderung an der NW zwei Grad an der KW aus macht. Oder anders gesagt: die Einstellerei muss also an der KW auf 0.5 grad genau erfolgen um an der NW eine Genauigkeit von einem Grad zu erreichen.

Zunächst muss der OT genau bestimmt werden. Dazu wird eine Messuhr mit entsprechender Verlängerung in den Kerzenschacht gelegt.

 


suche_ot

 

Die Gradscheibe wird auf OT Abgeglichen. Eine zweite Messuhr wird mit dem Taststab auf den entsprechenden Tassenstößel befestigt. Der Messaufbau sieht dann in etwa so aus..

messaufbau



Jetzt muss man Geduld haben und in ruhe versuchen die gewünschte Einstellung zu finden. Danach ist noch der Sicherheitsabstand der Ventile bei 12° vor und nach OT zu überprüfen. Diese Messung steht noch aus. Mehr dazu später...

ZX8R Projekt -Fahrwerk-
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